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Erscheinungsbild

Holda in ihrem Erscheinungsbild zu beschreiben ist nicht einfach, da die überlieferten Beschreibungen gegensätzlicher nicht sein könnten. In vielen Texten, wie dem Frau Hollen Teich oder Frau Holle und die Flachsdiesse, erscheint Holda als wunderschöne weißgekleidete Frau mit langem goldenen Haar und schneeweißer Haut. Auch Paul Herrman bestätigt diese Variante in seinem Buch "Deutsche Mythologie". Er fügt noch hinzu, dass Holda gelegentlich einen langen Schleier über den Schultern oder vor dem Gesicht trägt und zuweilen, gleich Nehalennia, ganz in einen Mantel gehüllt ist. Natürlich ist die mittelalterliche Frau Venus, welche identisch mit Holda ist, ebenfalls von dieser unglaublichen Schönheit. In manchen Sagen fährt sie in einem Wagen der von Hunden, von Pferden oder Rindern gezogen wird, in anderen reitet sie gleich Wotan einen riesigen Schimmel, in wieder anderen ist sie zu Fuß und nur vom wilden Heer, den Holden und/oder Hunden begleitet.

Ganz anders da die Frau Holle des gleichnamigen Märchens. Sie erscheint als alte Frau mit einer spitzen Nase, wildem Haar und langen bedrohlichen Zähnen. Die Frage ist, ob dieser Gegensatz auf die Defamieriung der Göttin durch das Christentum zurück geht oder noch heidnischen Ursprungs ist. Denn genauso viele Sagen - unabhängig vom Frau-Hollen-Märchen - beschreiben Holda als jene alte Frau mit grauem Zauselhaar, jedoch auf eine weitaus positivere Weise. So beschreibt Ludwig Bechstein ein Bild von Holda, das er im geheimnisvollen "Glücksbuch" fand, wie folgt:

 




04.12.03: Hier die von Bechstein beschriebene Abbildung, die auch "Trostspiegel" genannt wird.
Danke,Bjarka, für dieses Bild!

In ihrem Greisinnen Aspekt kommt Holda der Göttin Berchtha sehr nahe, die mit der langen Nase und den Reißzähnen bald genauso beschrieben wird.
Als Anführerin des wilden Heeres ist Holda nicht grundsätzlich von alter, aber doch von düsterer Gestalt. Sie und die Holden erscheinen dann als wilde Schwestern, die, berauscht von Bier und (Jagd-)Lust, durch die Welten fegen.

Denkt man genauer darüber nach, wird man feststellen, dass die gegensätzlichen Beschreibungen aber doch miteinander vereinbar sind, ja, sogar einleuchten. Dazu habe ich persönlich drei Theorien:

  1. Holdas Erscheinungsbild drückt ihre Stimmung, bzw. Absicht aus. Als schöne junge Frau erscheint sie denen denen sie wohl gesonnen ist, die sie belohnen oder verführen will. Als wilde Jägerin ist sie gespenstisch und düster; als strafende Göttin hässlich und furchteinflößend; als leerende, Weissagende alt und weise.

  2. Ihr Erscheinungsbild verändert sich der Natur entsprechend. Im Frühjahr ist Holda jung, mädchenhaft und jungfräulich, im Sommer weiblich, fruchtbar und wild, im Winter die greise Todesgöttin, bevor sie sich zur Wintersonnenwende selbst verjüngt und wieder zur Frühlingsgöttin wird.

  3. Ihr Dualistisches Erscheinungsbild Alt-Jung drückt ihr Wesen, ihre Hauptrolle aus. Holda ist gleichzeitig die Lebenspendende und erhaltende Göttin des Lebens( = jung und schön) und die Leben nehmende Todesgöttin.

In seinem "Handbuch der deutschen Mythologie" drückt Simrock diese Zusammengehörigkeit der scheinbaren Gegensätze sehr treffend aus: