Holda und Saule 
Kurzbeschreibung
Saule (oder
"Sáulé") ist eine baltische
Sonnen-, Himmels- und Fruchtbarkeitsgöttin, deren Kult
hauptsächlich über die Region der heutigen Staaten
Estland, Lettland und Litauen verbreitet war. Hier ein
Auszug aus "Knaurs Lexikon der Mythologie":

Das baltische Gebiet wurde
als letzte europäische Region christianisiert und so
hielt sich der Kult der heidnischen Götter der Balten
bis ins späte Mittelalter. Ihre Mythen und Sagen waren
noch viel länger im Volk verankert, weshalb viele bis
heute erhalten sind. Es ist anzunehmen, dass Saule eine
große Rolle im baltischen Pantheon und eine ebenso
große Beliebtheit im Volk zukam, was die unzähligen
Volkslieder (womöglich einst Kultgesänge), die die
Göttin preisen, verstärken. Die Verbreitung von
liebevollen Kosenamen wie "Saulite Mat"
(Sonnenmütterchen) oder " Saulite Sudrabota"
(Kleine Silbersonne) deutet ebenfalls auf ein sehr
positives, persönliches Verhältnis zwischen Göttin und
Menschen hin. Ein dritter Punkt, der die vermeidliche
große Bedeutung der Saule rechtfertigt, findet sich in
der baltischen Sprache: Einst nannten die Balten der
Saule zu Ehren das ihnen nächste Meer "Balta
Saulite" (Kleine Sonne) und noch heute lautet das
lettische Wort für Welt "pasaule", was
wörtlich übersetzt "Unter der Sonne"
bedeutet.
Gemeinsamkeiten Saule -
Holda
Beide Göttinnen stehen in enger Beziehung
zur Sonne. Die Saule kann als göttliche Personifikation
der Sonne per se angesehen werden, Holda wird zumindest
die Fähigkeit zugeschrieben das Scheinen der Sonne
beeinflussen zu können.
Holda und Saule sind beide Göttinnen der
Fruchtbarkeit von (kultivierter) Natur, Tieren und
Menschen.
Beiden Göttinnen ist als Attribut das
(Spinn-)Rad zugeordnet, vielmehr noch sind beides
Schutzpatroninnen des Spinnens und der SpinnerInnen.
Beide stehen in besonderer Beziehung zu Frauen und zu
typisch "weiblichen" Arbeiten.
Beide Göttinnen gelten als
Schutzpatroninnen der Kinder. Aus Holdas Brunnen kommen
die Babies, in Holdas Reich kehren die (am Weg
ausgesetzten) verstorbenen Kinder wieder zurück. Unter
Saules Schutz stehen vornehmlich die Waisenkinder.
Auch die duale Rolle der Lebensspenderin und
"Todin" wohnt beiden inne: Saule ist Göttin
der Geburt und der Lebenserhaltung, gleichzeitig kehren
die Seelen der Verstorbenen in ihrem Apfelbaum ein. Auch
Holda schenkt als Göttin der Geburt und Frauen Leben
(s.o.) und nimmt die Toten in ihr unterirdisches Reich
wieder auf, bzw. macht sie zum Gefolge ihres wilden
Heeres.
Als Fortbewegungsmittel dient beiden
Gottheiten entweder ein Wagen oder ein Pferd.
Beide Göttinnen werden dargestellt als
wunderschöne blonde Frauen, ganz in Weiß, Silber oder
Gold gekleidet.
Der Bernstein ist beiden von ihnen
zugeordnet. Sowohl von Saule als auch von Holda-Freyja
wird gesagt, dass der Bernstein ihre getrockneten Tränen
darstellt. Holda-Freyja weint um ihren verlorenen
Ehemann, Saule vergießt bittere Tränen um die geliebte
Tochter, die von ihrem eigenen Vater (dem Mond)
vergewaltigt wurde.
Der Apfelbaum ist das Zuhause von Saule.
Auch von Holda wird berichtet, dass in ihrem Garten
unzählige Apfelbäume wachsen (Man denke auch an
"Frau Holle", in deren Reich die Goldmarie
gebeten wird den Apfelbaum zu schütteln)
Sowohl Holda als auch Saule gelten als
alleinstehende, unabhängige, "freie"
Göttinnen. Zwar war Saule zunächst mit dem Mondgott
leiert, nachdem dieser ihre Tochter vergewaltigt hat,
trennt sie sich jedoch wutentbrannt und bindet sich nie
wieder an einen Mann/Gott. Trotzdem hat sie zahlreiche
Freier, unter ihnen der Himmelsgott Dievs. Ähnlich
Holda. Wotan wird als ihr gelegentlicher Counterpart
erwägt, er spielt jedoch in keiner ihrer überlieferten
Mythen eine Rolle, wird nie explizit als ihr Gatte
genannt, es sei denn man nimmt an, dass Frigg und Holda
zu 100% identisch sind.
Unterschiede Saule - Holda
Saule ist die Mutter von unzähligen Kindern
(Die Sterne am Himmel). Holda bringt zwar die
Menschenkinder in die Welt, von ihr sind jedoch keine
eigenen Nachkommen bekannt.
Holda ist mehr noch als mit der Sonne, mit
dem Wind, dem Nebel und dem Schnee in Verbindung zu
bringen, Elemente, die so gar nichts mit der baltischen
Sonnengöttin zu tun haben.
Saule fand besonders zur Sommersonnenwende
Verehrung, Holda dagegen zur Weihnachtszeit, in den
zwölf Nächten und zur Wintersonnenwende.

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