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Der Holunder



"Einige nennen mich Mutter Holunder, andere nennen mich eine Dryade, aber eigentlich heiße ich Erinnerung."

(Hans Christan Andersen: Mutter Holunder)

Der Holunder ist der Holda-Baum überhaupt, von ihr leitet sich auch sein Name ab. Er gilt nicht nur als eine ihrer heiligen Pflanzen, sondern gleichzeitig ist er von ihr beseelt, dient ihr als Wohnsitz, bzw. als Grenzmarkierung zu ihrem Reich. Wie Gardenstone in seinem Buch "Göttin Holle" sehr treffend schreibt, symbolisiert der Holderbaum allein von seinem Äußeren wie kein anderer Strauch das Wesen der Frau Holda:
Seine weißen Blüten stehen für ihr "lichtes", freundliches Wesen, ihre Großzügigkeit den Menschen gegenüber und ihr gerechtes Urteil über Belohnung und Strafe. Die schwarzen Beeren erinnern an ihren Aspekt als Todesgöttin, Königin der Unterwelt und Wotans Begleiterin bei der wilden Jagd.

Hier nun erst einmal einige allgemein botanische Informationen über den schwarzen Holunder:

Andere Namen:
Holler, Ellhorn, Elderbaum, Schwarzholder, Holderbaum, -busch, -stock, Dolder, Hulandr, Hunnel, Flieder u.a.

Erscheinungsbild: Der Holunder kann bis zu 7 Metern hoch und sehr breit und buschig werden. Er gehört zur Familie der Geißblattgewächse. Seine graubraune, teils rissige Rinde ist oft von kleinen Punkten oder "Warzen" übersät. Von innen sind die Äste hohl und gefüllt mit weichem weißen Mark. Die dunkelgrünen Blätter sind gestielt und unpaarig gefiedert. Im Sommer trägt er weiß-gelbe Blüten, die unheimlich stark duften und in schirmförmigen, fünfästigen Dolden auftreten. Im Spätsommer bis Herbst verwandeln sich die Fruchtknoten der Blüten in 6 mm dicke schwarz glänzende Beeren.

Vorkommen:
Vor allem in Mitteleuropa, Nordafrika, West- und Mittelasien

Erntezeiten:
Blätter: ab April
Blüten: Mai und Juni
Beeren: ab Ende August, Anfang September

Heilwirkung:
Schweiß- und harntreibend, lindert Fieber und beugt Erkältungen vor (fördert die Abwehrkräfte), lindert Rheuma und wirkt blutreinigend.

Anwendung und Dosierung:

    Anwendng in der Heilkunde finden vor allem und fast ausschließlich die Blüten und Beeren des Holunders. In jedem gut sortiertem Teehaus wird der Holunderblütentee angeboten, der vor allem bei Erkältungskrankheiten empfehlenswert ist (2 gute Teelöffel auf 1 Tasse heißes Wasser, zehn Minuten ziehen lassen). Lässt sich auf diesem Anwendungsgebiet auch hervorragend mit Lindenblüten kombinieren, was seine heilende Wirkung ergänzt! Inzwischen sind auch Holunderhustenbonbons und Holunderpulver (für das Heißgetränk) erhältlich.
    Blätter und Rinde haben eine stark abführende Wirkung, können auch Erbrechen und Übelkeit hervorrufen. Blätter wie Blüten sind bestens als
    Schwitzkur geeignet, in dem sie in heißem Wasser oder Milch aufgelöst/zermalmt werden. In dieser Form sollen sie sogar gegen Ohrenschmerzen (erwärmt im Säckchen auf das Ohr gelegt) und Hämorrhoiden wirken!
    Früher wurde der Holunder auch für
    Liebeselexiere verwendet, da ihm eine aphrodisierende Wirkung nachgesagt wird. Auch wirkt er gaaaanz leicht bewusstseinsverändernd, weshalb er auch zur Herstellung alkoholischer Getränke und zur Beruhigung verwendet werden kann.
    Blätter und vor allem Blüten taugen als
    Färbemittel (Blätter dunkelgrün, Beeren schwarz). Will man die Beeren zu anderen Zwecken verwenden, sollte man sich lieber beim Kontakt mit ihnen Handschuhe anziehen, da sie wirklich sehr leicht färben.
    Alle Bestandteile des Holunder sollten immer nur gekocht, aufgebrüht oder gebacken verzehrt werden, da sie roh leicht toxisch wirken!


    I

    m Umgang mit dem Holunder spalt(et)en sich die Geister. Die einen bezeichnen ihn als unheilbringendes Todesgewächs, die anderen als heilende, schützende, Segen bringende Pflanze. Doch auch dieser Zwiespalt lässt sich gut miteinander vereinbaren, wenn man wieder an die zwei Aspekte der Frau Holda denkt: Todesgöttin und Göttin des gesegneten Lebens. Einig ist man sich darin, dass der Holunder ein überaus magischer Baum ist. Nicht nur taugen seine Blüten und Früchte zur Heilung verschiedenster Krankheiten, nicht nur sollen die selbigen als Liebeselexier gebraut ihre Wirkung zeigen, aus seinem Holz wurden auch bevorzugt Hexenbesen und Zauberstäbe gefertigt. Wobei andere Kreise der Meinung waren/sind, dass vom Holunderbaum aus Respekt vor der Göttin keine Zweige entfernt werden sollen. Um sich vor dem eventuellen Zorn der Göttin, bzw. des den Holunder bewohnenden Geistes zu schützen, sprach man früher den folgenden Spruch: "Frau Holder gib mir von deinem Holz und ich will dir von meinem geben, wenn es einst wächst im Walde."
    Auch die Fakten, dass Holda als Königin der Hexen gilt, und die leicht giftige Wirkung des Holunders bei Überdosis bringen diese Pflanze mit Hexerei in Verbindung. Hier noch mehr Folklore und Mythologie über den Holunderbaum:

  • Der Holunder ist der 13. Baum im druidischen Baumalphabet "ogham". Sein Name ist hier Ruis, sein Buchstabe das R

  • Ein Kind, das in einer Wiege aus Holunderholz liegt verhungert, oder wird von Feen blau gekniffen

  • In Irland haben die Hexen Besen aus Holunderholz anstatt aus Esche

  • Einst glaubten die Menschen, der Duft der Holunderblüten verursache Krankheiten und den Tod

  • Eine christliche Ansicht ist, dass Judas sich an einem Holunderstrauch erhängt haben soll

  • Die Geister von heidnischen Toten sind im Holunderholz gefangen

  • Wenn jemand einen Holunderbaum fällte kam großes Unglück über ihn, er wurde von Dämonen verfolgt oder kam anderswie zu Tode

  • Schläft jemand unter dem Holunderbaum ein, hat er Visionen von der Unterwelt

  • Oder: schläft jemand unter einem Holunderbaum ein, wacht er nie mehr auf

  • Oder aber: schläft ein Kranker unter einem Holunderbaum, wird er von allen Krankheiten geheilt

  • Wenn der Holunder blüht, wird der Boden nicht trocken

  • Im Mittelalter glaubte man, dass ein Kranz aus Holunderblättern, den man um den Hals schlang, jeden noch so schlimmen Halsschmerz heilen konnte

  • Ein verdorrender Holunderbaum kündigt den Tod eines Menschen an

  • Neben der Zypresse ist der Holunder ein beliebter Friedhofsbaum gewesen

  • Geht man an einem Holunder vorbei, soll man den Hut ziehen

  • Holunderzweige im Haus oder an der Haustür halten böse Geister ab

  • Eine Frau die sich ein Kind wünscht, solle dem Holunder opfern oder Ehre erweisen um die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft zu erhöhen

  • Wenn der Holunder blüht, legen die Hühner weniger.

  • Wie der Holunder blüht, blühen auch die Reben.


    Ein leckeres Rezept bei dem die Holunderblüten verwendet werden:

    Pfannkuchenteig herstellen und mit Blüten (ohne Stengel!) zusammen in der Pfanne Backen.

    Und ein Lesetip für Märchenfans: "Mutter Holunder" von Hans Christian Andersen. Ein wunderschönes Märchen!