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Frau Holle und die Flachsdiesse nach Josef Lukas' Zu Clausthal wohnten einst
zwei Mädchen, die hatten nicht Vater noch Mutter
und mussten sich deshalb von ihrer Hände Arbeit
nähren. Das einzige, womit sie sich noch etwas
verdienen konnten, war Spinnen. Das eine Mädchen
sponn recht fleißig; das andere aber schwatzte
viel und brachte damit viel zeit hin, und des
Abends fing sie gleich an zu nicken und zu
schlafen. Daher hatte denn das fleißige Mädchen
so recht seine Not mit der faulen Schwester. Nun
kam Ostern ins Land, und am Abend vor dem Feste
flammten die Osterfeuer auf allen Höhen rings um
die Stadt. Da konnte es die Faule nichtim Hause
aushalten, sie musste hinaus, um die Osterfeuer
zu sehen und Kurzweil zutreiben. Die Fleißige
Liese aber saß am Spinnrade und spann; denn sie
wollte ihre Diesse vor dem Feste ganz leer haben.
Eben schlug es elf, da ging die Tür auf und
herein trat eine schöne Frau, die trug ein
weisses seidenes Kleid, hatte lange, goldgelbe
Haare, und in der Hand hielt sie eine
Flachsdiessem so weiß wie Silber und so fein wie
Seide. Mit freundlicher Stimme grüßte sie das
gute Mädchen, das eben seinen letzten Flachs als
Faden auf die Rolle laufen ließ, befühlte das
Garn und sprach:
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